Vorwort
Informationskompetenz ist eine berufs- und fachübergreifende Schlüsselqualifikation. Sie bildet die Grundlage zur selbständigen und effizienten Informationsgewinnung und -bewertung. Damit ist Informationskompetenz eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Studium und lebenslanges Lernen.
Der Begriff Informationskompetenz umfasst umfangreiche und komplexe Qualifikationen, deren Vermittlung sehr aufwändig ist. Angesichts der Dynamik und des steigenden Umfangs an Informationsangeboten können und sollten die wissenschaftlichen Bibliotheken mit ihren Informationsexperten, auch nach Meinung des Wissenschaftsrates[1] und des Deutschen Hochschulverbands[2], an der Vermittlung von Informationskompetenz und damit der Beseitigung von grundlegenden Defiziten bei den Studierenden[3] mitwirken.
Um diese Aufgabe wahrzunehmen, bedarf es einer Konkretisierung des Begriffs Informationskompetenz. Diesem Zweck dienen die vorliegenden Standards[4]. Sie beschreiben und strukturieren Qualifikationen, über die Studierende[5] nach der Teilnahme an entsprechenden Schulungs-/Lehrveranstaltungen verfügen sollen. Die Standards werden durch Indikatoren präzisiert und durch Beispiele veranschaulicht. Sie sind handlungsbezogen und lassen sich an unterschiedliche lokale und fachspezifische Besonderheiten anpassen. Damit bieten sie eine gute Grundlage für eine systematische Integration bibliothekarischer Schulungs-/Lehraktivitäten in die neu zu gestaltenden BA/MA-Studiengänge, für die im Bologna-Abkommen ein wesentlicher Anteil fachübergreifender Schlüsselqualifikationen gefordert wird.
Konkret haben die Standards der Informationskompetenz für die Schulungsaktivitäten folgende Funktionen:
- Präzisierung der anzustrebenden Schulungsinhalte,
- Orientierung für die Studierenden bei ihren Lernaktivitäten,
- Evaluierbarkeit des Schulungskonzepts und einzelner Schulungsveranstaltungen,
- Transparenz des Schulungsangebots gegenüber den Lehrenden der einzelnen Fächer,
- Koordination des Schulungsangebots mit der Lehre in den Studienfächern,
- Kooperation mit den Lehrenden der Studienfächer im Rahmen eines Curriculums.
Die vorliegenden Standards der Informationskompetenz knüpfen an Vorarbeiten anglo-amerikanischer Bibliotheken und Hochschulen an[6]. Im Unterschied zu diesen beziehen sie sich jedoch nicht auf das gesamte mögliche Spektrum von Informationskompetenz, sondern auf die Inhalte, die den spezifischen Aufgaben und Kompetenzen deutscher Bibliotheken entsprechen und daher primär von diesen vermittelt werden können. Die bibliothekarischen Veranstaltungen können durch fachspezifische Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Arbeiten, wie sie traditionell in vielen Studienfächern angeboten werden, sinnvoll ergänzt oder in diese im Rahmen von Fachcurricula integriert werden.
[1] Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur digitalen Informationsversorgung der Hochschulen, 2001, S. 51f, http://www.wissenschaftsrat.de/texte/4935-01.pdf.
[2] Als ein wichtiger Schritt ist der zwischen dem Deutschen Hochschulverband und dem Verein Deutscher Bibliothekare am 27.01.2003 abgeschlossene Vertrag zur Förderung von Initiativen zur Vermittlung von Informationskompetenz zu sehen. Siehe: http://www.vdb-online.org/publikationen/einzeldokumente/2003-01_v_vertrag-vdb-hochschulverband.pdf.
[3] Grundlegende Defizite bei der Nutzung elektronischer Informationsangebote waren in der STEFI-Studie des BMBF im Jahr 2001 aufgezeigt worden. Siehe hierzu: http://www.stefi.de.
[4] Ausführlichere Informationen zu dem Begriff Standards und deren Bedeutung sind zu finden in der Expertise von Klieme, Eckhard, et. al.: Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards. Eine Expertise, Berlin (BMBF) 2003; http://www.dipf.de/publikationen/zur_entwicklung_nationaler_bildungsstandards.pdf.
[5] Informationskompetenz ist eine umfassende Schlüsselqualifikation, die für alle Berufe erforderlich ist. Die Einschränkung auf den akademischen Bildungsbereich, die hier vorgenommen wird, soll adressatenbezogen das Verständnis für Informationskompetenz und die darunter zu verstehenden Qualifikationen erleichtern. So wurden insbesondere Beispiele aus dem Bereich der akademischen Ausbildung gewählt, um die einzelnen Standards zu verdeutlichen.
[6] Association of College and Research Libraries: Information Literacy Competency Standards for Higher Education, 18.1.2000, online verfügbar unter: http://www.ala.org/acrl/ilstandardlo.html. Council of Australian University Librarians: Information Literacy Standards, 2001; online verfügbar unter: http://www.caul.edu.au/caul-doc/InfoLitStandards2001.doc.
Neben diesen ACRL-Standards wurden für die Schulen eigene Standards erstellt. Sie wurden durch konkrete Unterrichtsbeispiele ergänzt, die sich auf Klassenstufen und Fächer beziehen. Siehe: Information Literacy Standards for Student Learning, American Association of School Librarians/Association for Educational Communications and Technology, Chicago, London: ALA 1998.
Bei der Erarbeitung der vorliegenden Standards wurden zudem die folgenden einschlägigen Publikationen aus dem deutschen Bibliothekswesen berücksichtigt: Annemarie Nilges, Marianne Reessing-Fidorra und Renate Vogt:
"Standards für die Vermittlung von Informationskompetenz an der Hochschule", Bibliotheksdienst 37 (2003), 463-465; Claudia Lux und Wilfried Sühl-Strohmenger: Teaching Library in Deutschland. Wiesbaden 2004, 166 ff.
